Lesen im Forum – Buchpräsentation Franz Kadell: Katyn Das zweifache Trauma der Polen

26. Mai 2011, 19.30 Uhr

Franz Kadell

In Zusammenarbeit mit der Buchhandlung Fritz Wahle, Magdeburg und dem Herbig Verlag München

Der Flugzeugabsturz der Präsidentenmaschine Lech Kaczynskis am 10. April 2010 hat gezeigt, dass auch 70 Jahre nach dem Massaker in den Wäldern um Smolensk Katyn ein wunder Punkt des polnischen Selbstverständnisses ist. Franz Kadell stellt in „Katyn“ die Geschehnisse um den Massenmord an polnischen Offizieren und Bildungsbürgern detailliert dar und zeigt auf, welche perfiden Ränkespiele die Sowjetunion, die alliierten Westmächte und die Nazis mit dem Verbrechen trieben. Der „Fall Katyn“ ist mit dem Schuldeingeständnis durch Gorbatschow und der Freigabe wichtiger Akten 2010 längst nicht abgeschlossen, sondern reicht in die Zukunft Europas. Das Buch zeichnet ein Gesamtbild über den Massenmord als Spielball internationaler Politik und ist das Protokoll einer folgenreichen Geschichtsmanipulation.

Der kleine Ort Katyn bei Smolensk in Russland steht symbolisch für die großen politischen Massenmorde der jüngeren Geschichte. Im Frühjahr 1940 wurden rund 15.000 Offiziere und Intellektuelle der polnischen Führungsschicht durch die sowjetische Geheimpolizei erschossen. 1943 beschuldigte Moskau die Deutschen, das Massaker begangen zu haben. Die britische und die amerikanische Regierung deckten die Geschichtslüge der Sowjetunion lange aus politischem Kalkül. Erst 1990 bekannte sich Gorbatschow zur sowjetischen Verantwortung für die Morde. Doch noch immer hält die russische Regierung wichtige Akten unter Verschluss und behindert so eine lückenlose Aufarbeitung der Geschehnisse. Die gegenseitigen Schuldzuweisungen an der zweiten Katastrophe von Katyn, dem Absturz der polnischen Präsidentenmaschine auf dem Weg zu einer Gedenkfeier, belasten das russisch-polnische Verhältnis erneut. Franz Kadell schildert detailliert die Ereignisse, die zur Traumatisierung Polens führten: minutiös und kaltblütig geplante Morde, international geduldete Geschichtsfälschungen, politisch sanktionierte Justizverbrechen und die verheerende Flugzeugkatastrophe. Im Kontrast dazu beschreibt er die Stationen einer schrittweisen Annäherung, die Anlass zur Hoffnung geben, dass Russen und Polen irgendwann zu einem versöhnlichen Nebeneinander finden können.

Zum Autor: Dr. Franz Kadell, seit Kurzem Regierungssprecher der Landesregierung in Sachsen-Anhalt, studierte Geschichte, Philosophie und Germanistik. Von 1984 –1985 war er Dozent an der Georgetown-Universität in Washington, D.C.. Franz Kadell schrieb von 1986 – 1991 als außenpolitischer Redakteur für Die Welt. Nach leitenden Positionen bei der Mitteldeutschen Zeitung und der Märkischen Oderzeitung war er bis 2010 als Chefredakteur bei der Volksstimme Magdeburg tätig. Der Autor lebt in Magdeburg und bei Halle an der Saale.

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