“EIN WAHRES ELEND, DER VERDAMMTE KRIEG” Improvisations-Konzert in Gedenken an die Zerstörung Magdeburgs

Donnerstag, 16. Januar 2014, 20.00 Uhr

Das Forum Gestaltung in Magdeburg gedenkt mit nunmehr schon zur Tradition gewordenen außergewöhnlichen Konzerten anlässlich der Jahrestage der Zerstörung Magdeburgs am 10. Mai 1631 und am 16. Januar 1945 der Opfer von Krieg und Gewalt. Zur Entwicklung einer spannungsreichen Gedenk-Kultur in der Landeshauptstadt gehören Beiträge wie diese, die gleichsam unmissverständlich die Deutungshoheit über historische Ereignisse nicht jene überlassen, die unschuldige Opfer instrumentalisieren für die Sanktionierung sehr schuldiger Täter.

Tausende starben in Magdeburg am 16. Januar 1945 während des 39 Minuten dauernden Bombenangriffs, des sechzehnten seit Beginn des Krieges. Dreizehn noch werden folgen, bis es endlich vorbei ist, das Sterben, das sinnlose für Führer und Volk. Und Vaterland, welches den Tod brachte den Millionen auf den Schlachtfeldern und in Konzentrationslagern, welches Krieg führte, nachdem es Barlach die Augen ausstach im Dom zu Magdeburg und anderswo, in der Hoffnung, es sähe keiner das Unrecht und die Unmenschlichkeit.

2014 beginnt das Forum Gestaltung mit einem
Improvisationskonzert für Chor, Schlagwerk und Saxophon
einen neuen Gedenkkonzert-Aufführungszyklus, der die Ambivalenz solcher Ereignisse durch künstlerische Exzellenz und Formenreichtum deutlich zu machen versucht.

Subtile Anmutung und grauenhaftes Entsetzen, bizarre Groteske und erhabene Schönheit, sanfte Erinnerung und zarte Anrührung – all das wollen die beteiligten Künstlerinnen und Künstler in einer flächigen, bisweilen eruptiven Improvisation anklingen lassen. Ein Mosaik wird entstehen, eine Collage aus musikalischen Versatzstücken, die ihrerseits je ihre eigene Geschichte erzählen und ihre eigene Botschaft verkünden, eines dichtes Klanggewebe, das nur Bruchstücke von Erinnerungen zurücklassen soll. Dabei verschmelzen unter einem zusammenhängenden Klanggebilde Choräle von Johann Sebastian Bach (1685-1750) und dem Magdeburger Musiker Martin Agricola (1486-1556) sowie Teile aus Alfred Schnittkes (1934-1998) Requiem.

Wenn Percussionist und Saxophonist ihre Klangrede in eher abstrakter Weise anstimmen, so hat der Chor durch die Hinzunahme von Text die Möglichkeit direkterer Einflussnahme. Bisweilen wird aber auch der Chor zum reinen Melodieinstrument, zum Schlagwerk gar oder dient, wie z.B. eine Orgel, in breiten Akkorden, Clustern oder mit minimalistischen Patterns als Improvisationsgrundlage für die Solisten. Jeder Musiker begegnet der Aufgabe eines Gedenkkonzerts mit seiner musikalischen Intuition – die Musik entsteht nur in dem Moment, in dem sie erklingt. Ist sie erst verklungen, so ist sie unumkehrbar verloren – doch es bleibt (als Hoffnung) die mit ihr verbundene Erinnerung, die die Menschen einschließt, denen sie galt.

„Magdeburg lebt!“ war das Motto der Wiederaufbau-Ausstellung 1947. Ein hoffnungsheischender Titel, der klang den Zeitgenossen fast wie eine trotzige Behauptung nach solch großer Zerstörung, doch schnell war er zur Gewissheit geworden durch harte Aufbauarbeit der Menschen hier. Wilhelm Deffke, bis 1933 und noch einmal kurz nach 1945 Direktor der damaligen Kunstgewerbe- und Handwerkerschule Magdeburg, schuf das Plakat zur Ausstellung: einen Phönix, der aus der Asche aufsteigt. Kein schlechter Grund für ein Konzert an eben diesem Ort, dessen Innenhof später zum stillen Gedenken einlädt – beim Hören der Magdeburger Kirchenglocken, die um 21.28 Uhr an den Beginn des Bombardements an jenem Wintertag des Jahres 45 erinnern.

Improvisationskonzert für Chor, Schlagwerk und Saxophon
aus Anlass des Gedenkens an die Zerstörung in Magdeburg im Januar 1945 mit Warnfried Altmann (Saxophon), Hermann Naehring (Schlagwerk) und dem Neuen Magdeburger Kammerchor unter der Leitung von Christian Hoffmann
Produktionsleitung: Norbert Pohlmann

DIE TRAUERNDE MAGDEBURG.
Am Lutherdenkmal in Worms gibt es diese Darstellung der trauernden Magdeburg. Unter der Mauerkrone trägt sie den Witwenschleier und sitzt schmerzerfüllt und sinnend da, ihr Blick auf der zerbrochenen Wehr. Ein Bronzeabguss kam 1931 nach Magdeburg und wurde in der Vorhalle der Johanniskirche aufgestellt. Die Bronze „überlebte“ die Zerstörung der Stadt 1945 und ragte unversehrt aus den Trümmern.

Öffnungszeiten

Ausstellungen: Mittwoch bis Sonntag, 14 bis 18 Uhr

Für Interessierte und Gruppen sind auch außerhalb dieser Zeiten Besuche vereinbar.

Büro: Montag bis Freitag, 14 bis 18 Uhr

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