SZENEN einer Ausstellung

12. Mai - 13. Juli

Als Magdeburg 1927 eine „Deutsche Theater-Ausstellung“ eröffnete, rieb sich die Welt verwundert die Augen ob der Chuzpe der mitteldeutschen „Kleinstadt“. Und sie selbst scheint bis heute noch immer nicht ganz verstanden zu haben, was ihr da vor 85 Jahren gelungen ist.

Das von Karl Schulpig entworfene Plakat der Ausstellung

Die Deutsche Theater-Ausstellung Magdeburg 1927 zählt zu den ambitioniertesten Projekten, die es je in ihrer Art gegeben hat. Man begnügte sich nicht damit, die gewiss spannungsreiche Geschichte des Mediums zu repetieren, wobei ein weit ausgreifender Theaterbegriff auch hier bislang Unbeachtetes ans Licht zog. Der Schwerpunkt lag auf dem Theaterschaffen der Gegenwart, doch nicht nur seinen künstlerischen, sondern auch seinen technischen und sozialen Verhältnissen und es war bezeichnenderweise ein eigens produzierter Film, der das Publikum die Entstehung einer Operninszenierung vor Augen führen sollte.

Der Reigen in der bühnenkünstlerischen Abteilung des deutschen zeitgenössischen Theaters reichte von den großen Bühnen in Berlin, Frankfurt/Main oder Düsseldorf bis nach Dessau oder Münster. Konventionelles war ebenso vertreten wie die Avantgarde der Versuchsbühne am Bauhaus unter Oskar Schlemmer oder der Sturm-Künstler und neben Beiträgen aus Deutschland sah man selbstverständlich solche aus Prag, Paris oder vom Kammertheater Moskau.

Deutsche Theater-Ausstellung Magdeburg 1927. Blick über den Ehrenhof zu den Ausstellungshallen und der Probebühne (Mitte)

Sinnfälliges architektonisches Zeichen im Stadtbild Magdeburgs ist der von Albinmüller entworfene Ausstellungsturm (seit 2012 Albinmüller-Turm) geblieben, der womöglich einzige „zweckfreie“ solitäre Turmbau der Architektur der Klassischen Moderne. Auch das vom Architekten der Ausstellung entworfene Pferdetor, zwei Lichtstelen, das Rund eines Brunnens und die parallel errichtete Stadthalle von Johannes Göderitz haben sich erhalten. Von den Ausstellungshallen selbst oder der Versuchsbühne findet sich nichts mehr am Ort.

J. Callot, Titelbaltt der Folge "Balli di Sfessania", 1622

Aus Anlass des 85jährigen Jubiläums der großen Theater-Schau initiiert das Forum Gestaltung zahlreiche Veranstaltungen und Aktionen in Magdeburg. Den ideellen Kern dieser Aktivitäten bildet eine Ausstellung in den Räumen der ehemaligen Kunstgewerbe- und Handwerkerschule in der Brandenburger Straße. Dieser Ort hat insofern eine historische Beziehung zu dem 1927er Projekt als Albinmüller (Albin Müller) vor dem Ersten Weltkrieg eine der maßgeblichen Lehrerpersönlichkeiten der Anstalt gewesen ist. Überdies war es zunächst Wilhelm Deffke – seit 1925 Direktor der Schule – den man mit der umfassenden Gestaltung der Theater-Ausstellung betraut hatte. Die von Deffke in Form eines Leporellos gestalteten Zeitschrift “Maske Magdeburg” erschien 1926 – dem ursprünglich ins Auge gefassten Termin der Ausstellung – lediglich in einer ersten Ausgabe und ist schon damals als bibliophile Kostbarkeit wahrgenommen worden. Sie ist eines der Exponate, die ab 14. Mai im Forum Gestaltung zu sehen sein werden.

Ludwig Sievert, Bühnenbildentwurf zur Uraufführung von „Die große Landstraße“ (Strindberg) an den Vereinigten Städtischen Bühnen Frankfurt/Main 1923. Universität zu Köln, Theaterwissenschaftliche Sammlung Schloss Wahn

Neben einer allgemeinen Chronik der Ereignisse und Darstellungen zur Entwicklung des architektonischen, werbegrafischen und publizistischen Rahmens wird die inhaltliche Dimension, welche die Ausstellung besessen hat, schwerpunktmäßig an exemplarischen Beiträgen verdeutlicht, die damals in Magdeburg zu sehen gewesen sind. Dazu gehören Blätter aus Jaques Callots Commedia dell’arte-Zyklus „Balli di Sfessania“, Arbeiten von Ludwig Sievert, der die Bühnenbilder für die ersten expressionistischen Inszenierungen für Schauspiel und Oper in Mannheim und Frankfurt schuf oder einige der wunderbaren Mary Wigman-Fotos von Charlotte Rudolph.

Öffnungszeiten

Ausstellungen: Mittwoch bis Sonntag, 14 bis 18 Uhr

Für Interessierte und Gruppen sind auch außerhalb dieser Zeiten Besuche vereinbar.

Büro: Montag bis Freitag, 14 bis 18 Uhr

Infos, Karten & Publikationen

Forum Gestaltung Magdeburg
Brandenburger Straße 10
Tel: 0391 99 08 76 11
info@forum-gestaltung.de
www.forum-gestaltung.de

Schlagwörter