[steinzeit] ROSSDEUTSCHER – Drei Generationen Bildhauer in Magdeburg – Eine Kunst- und Lebensgeschichte

19. MAI - 9. JULI

Es ist die Zeit um 1927, da Max Roßdeutscher vor dem Zifferblatt der Uhr in der Westfassade des Magdeburger Domes steht. Er schaut den Betrachter ruhig und entschieden an. Locker hält er eine Zigarette zwischen Zeige- und Mittelfinger der Hand seines angewinkelten rechten Armes, indessen er den linken in gleicher Richtung nach außen gestellt hat, so dass der Rücken seiner anderen Hand scheinbar beiläufig auf dem Stundenzeiger zu liegen kommt, der gerade auf vier Uhr zeigt. Alle seine Gesten laufen dessen vorhersehbarer Bewegung entgegen, auch die seines Schrittes, den er gemacht hat, um nun breitbeinig und sicher vor dem Zeitzeigerkreis posieren zu können.

Max Roßdeutscher vor der Domuhr, um 1928

Wie wenig die den Stein mahlende Zeit aufzuhalten ist, zeigen am Dom die wieder und wieder aufgesetzten Gerüste. Und daran, auf wie dünnem Eis die deutsche Gesellschaft dieser Jahre ihre faszinierenden Pirouetten drehte, erinnert unter anderem das Denkmal für die verfolgten und ermordeten Sinti und Roma Magdeburgs, das Wolfgang Roßdeutscher in unmittelbarer Nähe 1998 realisiert hat.

Nach Max und Eberhard Roßdeutscher steht der Name Roßdeutscher heute in dritter Generation für Bildhauerei in Magdeburg und es braucht nicht viel Phantasie, sondern nur einen Blick über ihr Werk und die Zeit, in der es entstanden ist und noch entsteht, um zu  sehen, wo es Brüche oder Kontinuitäten gegeben hat, wo Konfliktlinien verlaufen oder sympathische Anlehnung bestand beziehungsweise besteht. Dem geht die Ausstellung durch ausgewählte Arbeiten aus dem freien Werk der drei Bildhauer assoziativ nach. Punktuell wird auch das angewandte und restauratorische Werk dokumentiert.

Eberhard Roßdeutscher, Kaprice, Bronze, 1979

Der Schwerpunkt der Ausstellung liegt auf der Arbeit Eberhard Roßdeutschers und hier insbesondere auf seiner Kleinplastik, die allgemein als Juwel seines künstlerischen Schaffens gilt. Nach der Retrospektive des Jahres 1981 wird sie erstmals wieder in größerer Auswahl der Öffentlichkeit vorgestellt. Ein Höhepunkt in kulturhistorischer Hinsicht ist die erstmalige Präsentation der Gipsmasken von acht Apostelfiguren aus der Westfassade des Magdeburger Doms, die Max Roßdeutscher während der Restaurierungsarbeiten Ende der 1920er Jahre abgenommen hat.

 

Zur Ausstellung erscheint eine Begleitpublikation:
Steinzeit. Roßdeutscher. Drei Generationen Bildhauer in Magdeburg. Eine Kunst- und Lebensgeschichte.

bibliothek forum gestaltung 03
104 Seiten, 71 Abbn., Fadenheftung, Klappenbroschur
Forum Gestaltung, Magdeburg 2010
14,80 €

ISBN: 978-3-9813652-07

Öffnungszeiten

Ausstellungen: Mittwoch bis Sonntag, 14 bis 18 Uhr

Für Interessierte und Gruppen sind auch außerhalb dieser Zeiten Besuche vereinbar.

Büro: Montag bis Freitag, 14 bis 18 Uhr

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