RUDI WEISSENSTEIN Ihr glücklichen Augen

6. Sep - 20. Okt 2013

„Mein Bilderarchiv wuchs täglich“, schrieb Rudi Weissenstein (1910-1992) im Rückblick. Heute, über zwanzig Jahre nach seinem Tod, sind längst nicht alle Aufnahmen des aus Iglau/Jihlava (heute Tschechische Republik) stammenden Fotografen gesichtet: Mit über einer Million Negativen hat er das größte private Bildarchiv Israels geschaffen – das visuelle Gedächtnis seines Landes.

Passanten in Tel Aviv hören am 1. September 1939 die Nachricht vom Ausbruch des Zweiten Weltkrieges.

Ausgerüstet mit Kamera, Presseausweis und zehn Lira, emigrierte Weissenstein 1936 nach Palästina, wo er als freier Fotojournalist für Zeitungen und die Presse im Ausland arbeitete. Entsprechend vielseitig war die Motivauswahl: Vorwiegend zwischen den 1930er und 1970er Jahren entstanden, zeichnen Weissensteins Fotografien ein facettenreiches Israel während der Aufbaujahre. Auf Reisen durch das Land dokumentierte er die Ankunft jüdischer Einwanderer, den Bau neuer Siedlungen und Industrien, die Kollektive in den Kibbuzim, arabische Beduinen wie auch militärische Paraden, Kulturevents und Szenen aus dem Alltag. Darüber hinaus begleitete Weissenstein über vierzig Jahre die Arbeit des Israel Philharmonic Orchestra und war zeitweise für die Vereinten Nationen tätig.

1940, als der Zweite Weltkrieg den Nahen Osten bereits erreicht hatte, gründete Weissenstein das Photo House Pri-Or in Tel Aviv. Das Archiv kann noch heute dort besichtigt werden. Seine ersten Kunden waren englische, australische und kanadische Soldaten. Es folgten Persönlichkeiten, die später zu den führenden Köpfen Israels zählten: Golda Meir, Yitzhak Rabin, Shimon Peres und viele andere. Sie alle ließen sich von Weissenstein porträtieren, denn bald schon hieß es: „Wer im Schaufenster von Pri-Or ausgestellt ist, gewinnt die nächsten Wahlen.“

Bau einer Wohnsiedlung durch das Bauunternehmen Solel Bonen, 1951.

Selten fotografierte Weissenstein das politische Geschehen des Landes. Dennoch lud man ihn 14. Mai 1948 in das Tel Aviv Museum am Rothschild Boulevard ein: Als einzig offiziell zugelassener Fotograf durfte er die Proklamation des Staates Israel ablichten. Seine Aufnahme von David Ben-Gurion bei der Verlesung der israelischen Unabhängigkeitserklärung ging um die Welt.

Die Ausstellung IHR GLÜCKLICHEN AUGEN stellt einen dokumentarischen und künstlerischen Ausschnitt aus dem Werk Rudi Weissensteins vor, mit dem der Fotograf zu einem der bedeutendsten Chronisten Israels wurde.

(Ben Peter und Frank Domhan)

Öffnungszeiten

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Für Interessierte und Gruppen sind auch außerhalb dieser Zeiten Besuche vereinbar.

Büro: Montag bis Freitag, 14 bis 18 Uhr

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