Von denen, die sich mit Kunst beschäftigen, ist neben dem Künstler selbst der Sammler vielleicht derjenige, dessen Passion am riskantesten und folgenreichsten ist. Es genügt ihm nicht, dass er die Werke, die ihn begeistern, anschaut oder dass er über sie spricht. Wenn irgend möglich, möchte er ihnen nicht nur in seinen Empfindungen und Gedanken, sondern auch physisch nahe sein. Ist das, was er sammelt, von öffentlichem Interesse, wird er unter der Hand zu einem willkommenen Agenten desselben. Ohne die reichen Beiträge, die Privatsammlungen leisten, wäre unser aller kulturelles Gedächtnis um vieles ärmer.

Paul Müller-Kaempf - Blick in die Ausstellung
Mit der Ausstellung zum Werk des Malers Paul Müller-Kaempff (1861 – 1941) wird es dem Forum Gestaltung zum ersten mal möglich, Einblick in eine ambitionierte Magdeburger Privatsammlung zu geben. Wie aktuell deren Konzept ist, belegt allein die Tatsache, dass 2010 mit dem Bau eines Kunstmuseums in Ahrenshoop begonnen wird, das seine wesentliche Aufgabe in der Sammlung der Künstler der einstigen Künstlerkolonie Ahrenshoop sieht, als deren Gründer Paul Müller-Kaempff heute allgemein gilt.

Paul Müller-Kaempff, Küstenlandschaft, o. J.
1892, vier Jahre nachdem er in einer Ausstellung im Magdeburger Dom erstmals zwei Ölgemälde ausgestellt hatte, ließ Müller-Kaempff sich in Ahrenshoop sein Haus bauen.
Der heute legendäre „Kunstkaten“, eine der ältesten Galerien Norddeutschlands, ist nach Entwürfen von Theobald Schorn und Müller-Kaempff erbaut worden. Auch das Künstlerhaus Lukas geht auf Müller-Kaempff zurück. Hier eröffnte er bereits 1894 eine Malschule und eine Pension.
Schließlich aber ist es die stimmungsvolle, einem moderaten Impressionismus verpflichtete Freilichtmalerei der bis in die Jahre des Ersten Weltkrieges hier beieinander lebenden „Ahrenshooper“, die das in die Vergangenheit entsunkene romantische Bild dieser Küstenlandschaft bleibend in unser kulturelles Gedächtnis eingeprägt hat.

Paul Müller-Kaempff, Blick in die Ausstellung
