maramm Magdeburg – Reklame- und Ausstellungsstadt der Moderne

01. Juni - 11. Dez 2016

Nach Weltkrieg und Kaiserreich entdeckte Magdeburg neue Gestaltung als Reagenz moderner städtisch-sozialer Identität. Neben der Architektur setzten Reklame und Ausstellungswesen entscheidende Akzente. Der Bogen spannt sich von Bruno Tauts Aufruf zum farbigen Bauen bis zur weltweit rezipierten Deutschen Theater-Ausstellung 1927, von den Firmenzeichen und

Walter Dexel, Plakat Sportausstellung, Linoldruck 1929 (c) Nachlass Walter Dexel

Ausstellungsgestaltungen Wilhelm Deffkes bis zu den Reklamesäulen und Plakaten von Walter Dexel, vom bespielhaften Schriftunterricht eines Hermann Eidenbenz bis zu den Fotos des Bauhäuslers Xanti Schawinsky, in denen sich eine Stadt der Moderne in den Augen eines Modernen spiegelt.

Die Ausstellung beleuchtet diese krisenhaften, von politischem und sozialen Neuerungen und künstlerisch-gestalterischer Kühnheit und Innovation geprägten Jahre anhand von über 300 Exponaten in drei Kapiteln. Originale Objekte, zeitgenössische Publikationen, Pläne und Entwürfe, Plakate, zahlreiche Fotografien, Zeichnungen, druckgrafische Arbeiten und Modelle - wie der Nachbau eines der berühmten Taut-Kioske - erzählen eine zu großen Teilen in ihrer Bedeutung für Magdeburg und Deutschland noch weitgehend unentdeckte und unzureichend gewürdigte Geschichte.

Koje der Mitteldeutschen Reklamegesellschaft auf der Ausstellung "Bauten der Technik - Das Licht im Dienste der Werbung", 1930. Foto: Stadtarchiv Magdeburg

Das Kapitel “Reklamestadt der Moderne” zeigt deren Gesicht vom Hochhaus bis zum Geschäftsbrief, von den modernen Versuchen, Stadt und Reklame vernünftig zu ordnen über das Neue Sehen, die Entdeckung der Macht fotografischer Bilder für das Stadtmarketing einer “Stadt des Neuen Bauwillens” bis zu Zeichen, die im städtischen, geschäftlichen und alltäglichen Umgang als Signale eines veränderten Weltverständnisse fungierten. Die visionären Kristall- und Lichtarchitekturen eines Paul Scheerbart, Bruno Taut oder Lyonel Feininger schließlich gerannen in der urbanen Wirklichkeit der 1920er Jahre zu Leuchtsäulen für Werbung und Straßenbahn, zu den Lichtpalästen der modernen Kaufhäuser oder Ausstellungsbauten.

Wilhelm Deffke, Biene (Logo für die Ausstellung "Der Zucker"), 1925

Als Ausstellungsstadt hat Magdeburg sich nach der MIAMA des Jahres 1922 und der Reichszuckerausstellung “Der Zucker”, für die Wilhelm Deffke das berühmte Bienen-Logo entwarf, schon sehr früh selbst begriffen. Ihren Höhepunkt erreichte sie mit der architektonisch von Albinmüller als Weltausstellung rezipierten Deutschen Theater-Ausstellung 1927. Um 1930 war es der vom Bauhaus kommende Xanti Schawinsky, der durch seine gestalterischen Ideen und Walter Dexel, der durch seine Plakat-Entwürfe das Gesicht dieser Ausstellungsstadt wesentlich prägten. In dieser Tradition plante und entwarf dann 1947 noch einmal der nach Magdeburg zurückgekehrte Wilhelm Deffke “Magdeburg lebt”.

Das dritte Kapitel der Ausstellung ist dem gebrauchsgrafischen Unterricht der seit 1925 von Wilhelm Deffke geleiteten Kunstgewerbe- und Handwerkerschule gewidmet, an der neben ihm selbst in diesen Jahren so exponierte Gestalter-Persönlichkeiten wie Walter Dexel, der aus Wien stammende berühmte Julius Klinger und der junge Hermann Eidenbenz lehrten der später mit seinem Basler Büro zu einem der Begründer des modernen Schweizer Grafikdesigns werden sollte.

maramm - Blick in die Ausstellung

Man entwickelte einen Unterricht, dem an Strenge und Systematik vermutlich weniges zur Seite zu stellen ist. Ziel war ein denkendes, ein nach-denkendes Auge, wie Wilhelm Deffke später im Zusammenhang mit seinem Projekt einer Grammatik der Bildsprache einmal formuliert hat.

Die Ausstellung “maramm” ist eine Ausstellung des Forum Gestaltung im Rahmen des landesweiten Ausstellungsprojektes “Große Pläne !” der Stiftung Bauhaus Dessau. Sie findet in der 1911 erbauten zweigeschossigen Ausstellungshalle der ehemaligen Kunstgewerbe- und Handwerkerschule statt, die damit erstmals nach dem Zweiten Weltkrieg als Ausstellungsort wiedergewonnen und ins überregionale Bewusstsein gerückt wird.

Weitere Partner von “Große Pläne!” sind Technikmuseum “Hugo Junkers”, Dessau, Kunstmuseum Moritzburg Halle, Kunsthochschule Halle Burg Giebichenstein, Kunstverein “Talstraße” e. V., Halle/Saale, Kunstmuseum Kloster Unser Lieben Frauen Magdeburg, Kulturhistorisches Museum Magdeburg, Technikmuseum Magdeburg, Kulturhistorisches Museum Schloss Merseburg, Stadt Leuna, Diakonissen – Mutterhaus Neuvandsberg, Elbingerode, Lyonel-Feininger-Galerie / Museum für grafische Künste, Quedlinburg.

www.bauhaus-dessau.de/grosse-plaene.html

Gesamtprojekt und Ausstellung werden gefördert durch: Land Sachsen-Anhalt, Landeshauptstadt Magdeburg, Lotto Sachsen-Anhalt, Ostdeutsche Sparkassenstiftung, ÖSA Versicherungen, Städtische Werke Magdeburg, regiocom.

Sonderöffnungszeiten: täglich 12 bis 18, donnerstags bis 20 Uhr.

Es erscheint eine Begleitpublikation (voraussichtlich Juli/August), offene Schweizer Broschur, Format 235 x 315 cm, ca. 128 Seiten.

Bislang zur Ausstellung erschienen: Redesign dreier zeitgenössischer Theaterplakate (“Das Veilchen von Montmartre”, “Affäre Dreyfus”, “Idomeneo”) zu je Euro 5,-, gestaltet durch die Graphikabteilung des Hochbauamts bzw. Ewald Möhring, einem Schüler von Johannes Molzahn.


Öffnungszeiten

Ausstellungen: Mittwoch bis Sonntag, 14 bis 18 Uhr

Für Interessierte und Gruppen sind auch außerhalb dieser Zeiten Besuche vereinbar.

Büro: Montag bis Freitag, 14 bis 18 Uhr

Infos, Karten & Publikationen

Forum Gestaltung Magdeburg
Brandenburger Straße 10
Tel: 0391 99 08 76 11
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