Lesung und Diskussion zur politischen Partizipation

Donnerstag, 1. Juni 2017, 20.00 Uhr

„Nazis raus!“ ließt man überall. Auf Tassen, Schulklos, Bahnhofswartehallen, Konzertsälen, in
Form von Graffitis oder – ganz klassisch – auf Demo-Plakaten. „Aber, da du forderst “raus”, stelle
dir doch bitte auch die Frage, wo raus. Raus aus Deutschland? Schön und gut, aber wo hin? Denn
wer will die schon haben? Keiner.“ Mark Uwe Kling trifft in seinen Känguru-Chroniken den Nagel
ganz schön präzise auf den Kopf. Denn „raus“ bedeutet auch immer ein „geh mir aus den Augen“
und „aus den Augen“ ist ja bekanntlich „aus dem Sinn“.
Diese Ansammlung von alltäglichen Phrasen soll keine einwandfreie Argumentation darstellen, viel
mehr verkörpert sie das Anliegen, das wir mit unserer Veranstaltung vortragen wollen.
Wir fordern Dialog, Auseinandersetzung mit Menschen und Situationen im Alltag, die uns nicht
behagen. Dabei stehen die bösen Nazis hier nur stellvertretend für eine ganze Reihe von Gruppen,
Parteien, Institutionen oder Einzelpersonen, die uns zuwider sind. Oder aber die wir nicht kennen.
Weil wir Angst davor haben, den ersten Schritt zu machen, uns bloßzustellen oder Vorurteile haben
und uns selbst nicht in Frage stellen wollen.
Aber damit werden unsere Probleme nicht gelöst. Damit lösen wir unsere Probleme nicht.
Wir entäußern sie, schieben sie wem oder etwas anderen zu anstatt selbstverantwortlich zu handeln
und damit auch letztendlich teilzunehmen an der Gestaltung einer Welt, so, wie wir sie haben
wollen. Wir wollen Beispiel geben für eine Form der Teilnahme. Ein eindringliches Beispiel. Persönlich
und emotional aufgeladen, aber auch klug beobachtend und Probleme ansprechend.
Und wir wollen mit Ihnen in Dialog treten darüber, wie man in Dialog treten kann: Was hindert uns
daran? Ist es überhaupt sinnvoll? Gibt es Grenzen? Wie kann ich den ersten Schritt machen?
Und vielleicht wird dadurch auch im Anschluss ein kleiner Stein ins Rollen gebracht, ein kleines
bisschen mehr Offenheit in die Welt getragen, Selbstverantwortung übernommen und Dialog
gefördert. Auch bei denen, die meinen, „da helfen keine Worte mehr“.

Janne Westphal wird zum Einstieg von ihren Erlebnissen aus Lesbos berichten. Sie hat auf der
griechischen Insel mit Geflüchteten, die aus der Türkei mit dem Boot gekommen sind, gewohnt und
gearbeitet. Die Küche gehörte keiner Organisation an und die europäischen Helfer hatten eine linke
bis linksradikale politische Orientierung. Ihr Tagebuch ist eine Berichterstattung und persönliche
Auseinandersetzung mit der Situation vor Ort und wirft dabei folgende Fragen auf: Was können
Individualisten von Aktivisten lernen? – Oder um es in Hannah Arendts Worten zu formulieren:
Wie ist politische Beteiligung jenseits von Selbstsucht und Selbstaufopferung möglich? Wie
bekommen politisch abstrakte Debatten emotionalen Zugang durchs Involviertsein und Kontakt –
ohne dabei dem bloßen Trotz und Zorn zu verfallen? Wie lassen sich politische Verantwortung und
Verpflichtung in Handlungen trennen? Was passiert mit einer Person, wenn sie Teil einer Gruppe
mit einem radikal anderen Weltbild wird?

Öffnungszeiten

Ausstellungen: Mittwoch bis Sonntag, 14 bis 18 Uhr

Für Interessierte und Gruppen sind auch außerhalb dieser Zeiten Besuche vereinbar.

Büro: Montag bis Freitag, 14 bis 18 Uhr

Infos, Karten & Publikationen

Forum Gestaltung Magdeburg
Brandenburger Straße 10
Tel: 0391 99 08 76 11
info@forum-gestaltung.de
www.forum-gestaltung.de

Schlagwörter