LESUNG

Brigitte Reimann „Post vom schwarzen Schaf. Geschwisterbriefe.“

mit Carmen-Maja & Jennipher Antoni

Sonntag, 08. September 2019, 18.00 uhr
Carmen-Maja und Jennipher Antoni, Foto © Peter Ziesche

„Ihr seid die beste Familie der Welt“ – Brigitte Reimanns bislang unveröffentlichte Geschwisterbriefe sind jetzt im Aufbau-Verlag erschienen.

Brigitte Reimann wollte immer über ihre Geschwister schreiben. Deren Konflikte, Reibungen, Energie schienen ihr symptomatisch für die junge Generation, die sich in den 60er Jahren aufmachte, ihre Ideale umzusetzen. Weil kaum jemand damals Telefon hatte, gingen Briefe zwischen Rostock, Hoyerswerda und Hamburg hin und her: Ermutigungen, Beichten, „Weiberkram“. Besonders mit Lutz, der in den Westen geflohen war, stritt sie erbittert über Politik. Am Ende ihres Lebens, als sie sich ironisch als „schwarzes Schaf“ der Familie sah – kinderlos, krebskrank, der Roman unvollendet –, waren es die Geschwister, die ihr Mut machten. Nun fügen sich die Briefe der Brüder und Schwestern zu einem deutsch-deutschen Familienroman, in dessen Zentrum eine außergewöhnliche Schriftstellerin steht.

„Jon hatte recht, als er unsere Familie als einen Indianerstamm bezeichnete.“

Brigitte Reimann, 21. April 1965

Foto © Heinz Rick

BRIGITTE REIMANN (1933 – 1973)

Mit 22 Jahren veröffentlichte sie ihr erstes Buch, ein Jahr später wurde sie in den Schriftstellerverband aufgenommen, mit 28 erhielt sie den ersten Literaturpreis und mit 30 wurde sie in den Vorstand des Schriftstellerverbands gewählt – anscheinend die Bilderbuchkarriere einer DDR-Schriftstellerin. Und: Mit der Auflösung der DDR könnte auch Reimanns Wert als Autorin in Frage gestellt werden. Wer ihre Prosa jedoch wieder liest, kommt zu anderen Schlüssen. Ihre frühen Romane und Erzählungen – so Ankunft im Alltag, nach dem für eine ganze Reihe von Texten der Begriff »Ankunftsliteratur« geprägt wurde, oder Die Geschwister, in dem (noch vor Christa Wolfs Der geteilte Himmel) die Gräben gezeigt werden, die der deutsche Mauerbau in menschliche Beziehungen riss – sind literarhistorische Marksteine. An ihnen kann abgelesen werden, wie die junge Generation der Intellektuellen den Aufbau der DDR in den 1950er und 1960er Jahren erlebte.

Brigitte Reimann starb mit 39 Jahren an Krebs. In den letzten zehn Jahren ihres Lebens publizierte sie nur das Tagebuch einer Sibirienreise, schrieb aber mit großer Intensität an ihrem letzten Roman Franziska Linkerhand.

CARMEN-MAJA ANTONI

Sie stand bereits als 11-Jährige beim DDR-Kinderfernsehen vor der Kamera. Antoni studierte an der Deutschen Hochschule für Filmkunst in Potsdam-Babelsberg und wurde die jüngste Studentin. Danach wurde Sie am Potsdamer Hans-Otto-Theater engagiert. Dort war sie 1964 mit 18 Jahren die jüngste „Grusche“ in Bertolt Brechts „Der kaukasische Kreidekreis“. Später wechselte sie zur Volksbühne Berlin. 1976 bis 2013 war sie festes Ensemblemitglied, seitdem Gast am Berliner Ensemble, zuletzt zu sehen u. a. als Hauptdarstellerin in Mutter Courage und ihre Kinder von Bertolt Brecht. Sie spielte und spielt mit ihrer charakteristischen Stimme zahlreiche Theater-, Film-, Fernseh- und Hörspielrollen u. a. war sie in der deutschen Krimiserie „Rosa Roth“ mit Iris Berben und in dem internationalen Film „Der Vorleser“ mit Kate Winslet zu sehen.

JENNIPHER ANTONI

Sie studierte Japanologie und Russistik an der Humboldt Universität zu Berlin. Nachdem sie Frank Beyer für eine erste Filmarbeit entdeckt hatte, bekam sie eine durchgehende Serienrolle bei der TV-Serie Unser Lehrer Dr. Specht. Sie studierte an der Hochschule für Film und Fernsehen „Konrad Wolff“ in Potsdam. Außerdem ist sie ausgebildete Legasthenie- und Dyskalkulietrainerin. Parallel arbeitet sie kontinuierlich für Film und Fernsehen u. a. mit Martin Benrath, Robert Atzorn, Thekla Carola Wied, Jenny Gröllmann und Jaecki Schwarz. Bis 2008 stand sie als Ensemblemitglied des Hans Otto Theaters Potsdam u. a. mit Katharina Thalbach, Dieter Mann, Winfried Glatzeder, Angelica Domröse, Desiree Nick in Hauptrollen auf der Bühne.

Eine Gemeinschaftsveranstaltung des Literaturhauses Magdeburg und dem Forum Gestaltung

Einlass: 17.00 Uhr

Eintritt: VVK 8,00 € / AK 10,00 €

Öffnungszeiten

Ausstellungen: Mittwoch bis Sonntag, 14 bis 18 Uhr
Für Interessierte und Gruppen sind auch außerhalb dieser Zeiten Besuche vereinbar.

Büro: Montag bis Freitag, 14 bis 18 Uhr

Infos, Karten & Publikationen

Forum Gestaltung Magdeburg
Brandenburger Straße 10
Tel: 0391 99 08 76 11
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