Kunstgewerbe- und Handwerkerschule Magdeburg ARBEITEN DER SCHÜLER

7. DEZ - 27. APRIL 2012

Mit der spektakulären Aktion „Rückführung“ wurde im Jahr 2004 ein Teil der von Wilhelm Paulke (1903 – 1995) geretteten Schülerarbeiten aus der ehemaligen Kunstgewerbe- und Handwerkerschule Magdeburg / Fachschule für angewandte Kunst (1793 – 1963) symbolisch an den Ort ihrer Entstehung zurückgeführt.

Seitdem arbeitet das Forum Gestaltung auch in der Realität am Aufbau eines diesbezüglichen Archivs. Es umfasst derzeit mehrere tausend Arbeiten, vornehmlich von Schülern. Neben der Sammlung Paulke, die im vergangenen Jahr als dauernde Leihgabe in die Brandenburger Straße kam, umfasst der Bestand Konvolute aus verschiedenen Nachlässen, u. a. der ehemaligen Lehrer Horst Thorau (1930 – 1989), Walter Dexel (1890 – 1973) und Hermann Eidenbenz (1902 – 1993), um nur die namhaftesten zu nennen. Sie dokumentieren einen Zeitraum, der vom Ende des 19. Jahrhunderts bis in die Jahre vor der Schließung der Schule 1963 reicht.

Die erste Ausstellung aus dem Archiv konzentriert sich auf Arbeitsbeispiele aus Klassen, in denen gestalterische Grundlagen gelehrt wurden. Seit Schulgründung bis in die 1920er Jahre hinein wurde zum Beispiel das Zeichnen nach Gipsmodellen geübt. Die Entstehungszeit der gezeigten Belege liegt nur wenige Jahre auseinander. Trotzdem wird deutlich, wie selbst in einer so scheinbar objektiven Übunspraxis der gewandelte Zeitgeist sich Geltung verschaffte.

Berthold Illies, Blüte der Frauenfliege, 1907 (Klasse für Pflanzenstudium Paul Bernardelli)

Mit dem vor 1900 wieder erstarkendem Interesse für die Natur als Ausgangspunkt einer modernen Ornamentik fand auch das Zeichnen nach dem Naturvorbild wieder Eingang in den Unterricht. Auf der Basis des Pflanzenstudiums nach Moritz Meurer (1839-1916), das im Prinzip an allen preußischen Kunstgewerbeschulen gelehrt wurde, entwickelte Paul Bernardelli (1870-1953) in Magdeburg  nach 1900 ein Pflanzen- und Tierstudium, welches auch die Erforschung der natürlichen Farben einschloss. Die vielbeachteten Ergebnisse seiner Klasse stießen dabei bis in die Bereiche einer quasi abstrakten Ornamentik.

Die Arbeit der Bernardelli-Klasse bildet eine direkte Verbindung zu den 1920er und 30er Jahren, in denen die Schule eine neue Hochzeit erlebte. Noch stärker als in der Zeit vor dem ersten Weltkrieg gewann nun das Studium des Materials und der Maschine respektive der Herstellungstechniken für die gestalterische Arbeit an Bedeutung.

1927 übernahm Margarete Naumann (1881-1946) – bekannt durch ihre „Margareten-Spitze“ – in Magdeburg die Gestaltungslehre, eine Art von Vorunterricht, ähnlich dem von Joself Albers am Bauhaus. Margarete Naumann stellte ihre Gestaltungslehre nachweislich schon 1913 in Dresden der Öffentlichkeit vor. Dank dem Schweizer Nachlass Eidenbenz ist es uns vermittels Fotos von Willi Eidenbenz (1909-1998)  möglich, einige räumliche Arbeiten zu zeigen, die in diesem Unterricht entstanden sind.

Sehr wenig wissen wir über das Technische Zeichnen, wie es in den Jahren um 1930 durch den Keramiker Johannes Pannicke (1886-?) unterrichtet wurde. Die überlieferten Arbeiten legen nahe, dass es Teil des allgemeinen fachübergreifenden Vorunterrichts gewesen ist. Es handelt sich um Darstellungen einfacher dreidimensionaler technischer Formen in der Fläche. Ohne dass diese Absicht unterstellt werden kann, nähern sie sich durch den hohen Grad an Abstraktion, den sie besitzen, zuweilen konstruktivistischen Bildfindungen.

Elementare Gestaltungsübung aus der Fachklasse für Werbegrafik, um 1930

Auch die elementaren Gestaltungsübungen, die unter der Leitung von Walter Dexel (1890-1973) in der Fachklasse für Werbegrafik entstanden, besitzen zuweilen eine frappierende Nähe zu künstlerischen Äußerungen der Zeit. Eugen Gomringer konstatierte Parallelen zu den Mechano-Fakturen Henryk Berlewis (1894-1967) sowie Vorwegnahmen von strukturellen Arbeiten der späteren Op-art und bescheinigte Dexel die Begründung einer „strengen Grundschule der visuellen Kommunikation“ in Magdeburg.

Zu dieser Grundschule gehörten auch Übungen der Darstellung einfacher technischer Gegenstände, die später, teils fotografisch manipuliert, neben der Schrift zum Hauptbestandteil des werbegrafischen Entwurfs wurden.

Schriftkomposition, Schülerarbeit aus der Klasse von Hermann Eidenbenz, um 1930

Die Schriftklasse wurde schon seit 1926 von Hermann Eidenbenz (1902-1993) geleitet, der Magdeburg 1932 verließ und gemeinsam mit seinen Brüdern ein Atelier in Basel gründete, das wesentlich zur Entwicklung eines modernen Schweizer Grafikdesigns beigetragen hat. In Magdeburg entwarf er unter anderem den so genannten „Grundbuchstaben“, der als eine Art Basiselement  für die typografischen Arbeiten an der Schule benutzt wurde. Seine und eine Spezialität seiner Klasse waren filigrane Schriftblätter, in denen Buchstaben und Worte zu konstruktivistischen Gebilden komponiert wurden.

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