Heide Kathrein Schmiedel

2009

Der Katalog erschien anlässlich der Ausstellung „Heide Kathrein Schmiedel . Aus der Linie“, 12. März bis 30. April 2010, im Forum Gestaltung in Magdeburg. Es ist die erste umfassende und grundlegende Darstellung zur Arbeit der Zeichnerin und Grafikerin.

„Heide Schmiedels Frauengestalten lie­gen, la­gern, kau­ern oder sitzen auf dem Bo­den, von dem sie sich manchmal auf Sofas, Stühle oder Sessel er­heben, um dort das gleiche zu tun. Als wollten sie sich nicht allzu weit von ihrem eigentlichen Ele­ment, der Er­de, entfernen. Sie erscheinen nicht als Aufständische, sondern als na­türliche Schwestern Gaias, der Erdgöttin in der griechischen Mythologie. Gleichzeitig mit den Göttern der Finsternis, Nyx und Erebos, entstand sie aus dem Chaos. Mit ihrem künftigen Gatten Uranos, dem Himmelsgott, gebar sie sich sinnbildlich ihren eigenen Himmel. Diese unbefleckte Empfängnis verschwistert sie mit Maria, der Mutter Jesu. Beide zäh­len zu den wesentlichen Mutterarchetypen.

Die Mitte der 1960er Jahre formulierte Gaia-Hypothese, welche die Erde mitsamt ihrer Bio­sphäre als einen quasi lebenden, sich selbst organisierenden großen Körper zu betrachten ver­suchte, fing diesen Mythos in einer wissenschaftlichen Theorie auf, die im Zuge alternativer Lebens- und Denkkonzepte einige Popularität erlangte.

Dem hier nur andeutungsweise skiz­zierten mythologisch-wissen­schaftlichen Kom­plex näherte sich Heide Schmiedel in ihrer künstlerischen Arbeit aber nicht durch theoreti­sche Reflexion, sondern durch die eigene Le­benspraxis, durch unmittelbare, sinnlich-ideelle Er­fahrung, mittels der sturen Be­hauptung kluger Naivität, so könnte man sagen, im Vor und Zurück einer suchenden, hart­näckig tastenden Bedächtig­keit. Die empathische, quasi sy­nästhetische Wahrnehmung von Körper und Land­schaft war ein erster Schritt gewesen. Aus einer immer noch realiter zu deuten­den Bildwelt führte sie das Bedürfnis, auch ihre ge­danklichen Vorstellungen unmittelbar zu Papier zu bringen, nun für einige Jahre in eine Bildwelt, die sich mehr oder weni­ger deutlich von den Bindungen an diese physikalische Realität löste und sie kraft ih­rer eigenen Gedanken neu konstruierte. […]“ (Ausschnitt aus dem im Katalog enthaltenen Aufsatz von Norbert Eisold.)

Heide Kathrein Schmiedel
Herausgegeben vom Forum Gestaltung. Mit einem Aufsatz von Norbert Eisold
bibliothek forum gestaltung 02
96 Seiten, 66 Abbn., Fadenheftung,
Mauritius Verlag, Magdeburg 2009
11,80 €

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