Der Katalog erschien anlässlich der Ausstellung „Heide Kathrein Schmiedel . Aus der Linie“, 12. März bis 30. April 2010, im Forum Gestaltung in Magdeburg. Es ist die erste umfassende und grundlegende Darstellung zur Arbeit der Zeichnerin und Grafikerin.
„Heide Schmiedels Frauengestalten liegen, lagern, kauern oder sitzen auf dem Boden, von dem sie sich manchmal auf Sofas, Stühle oder Sessel erheben, um dort das gleiche zu tun. Als wollten sie sich nicht allzu weit von ihrem eigentlichen Element, der Erde, entfernen. Sie erscheinen nicht als Aufständische, sondern als natürliche Schwestern Gaias, der Erdgöttin in der griechischen Mythologie. Gleichzeitig mit den Göttern der Finsternis, Nyx und Erebos, entstand sie aus dem Chaos. Mit ihrem künftigen Gatten Uranos, dem Himmelsgott, gebar sie sich sinnbildlich ihren eigenen Himmel. Diese unbefleckte Empfängnis verschwistert sie mit Maria, der Mutter Jesu. Beide zählen zu den wesentlichen Mutterarchetypen.
Die Mitte der 1960er Jahre formulierte Gaia-Hypothese, welche die Erde mitsamt ihrer Biosphäre als einen quasi lebenden, sich selbst organisierenden großen Körper zu betrachten versuchte, fing diesen Mythos in einer wissenschaftlichen Theorie auf, die im Zuge alternativer Lebens- und Denkkonzepte einige Popularität erlangte.
Dem hier nur andeutungsweise skizzierten mythologisch-wissenschaftlichen Komplex näherte sich Heide Schmiedel in ihrer künstlerischen Arbeit aber nicht durch theoretische Reflexion, sondern durch die eigene Lebenspraxis, durch unmittelbare, sinnlich-ideelle Erfahrung, mittels der sturen Behauptung kluger Naivität, so könnte man sagen, im Vor und Zurück einer suchenden, hartnäckig tastenden Bedächtigkeit. Die empathische, quasi synästhetische Wahrnehmung von Körper und Landschaft war ein erster Schritt gewesen. Aus einer immer noch realiter zu deutenden Bildwelt führte sie das Bedürfnis, auch ihre gedanklichen Vorstellungen unmittelbar zu Papier zu bringen, nun für einige Jahre in eine Bildwelt, die sich mehr oder weniger deutlich von den Bindungen an diese physikalische Realität löste und sie kraft ihrer eigenen Gedanken neu konstruierte. […]” (Ausschnitt aus dem im Katalog enthaltenen Aufsatz von Norbert Eisold.)

Herausgegeben vom Forum Gestaltung. Mit einem Aufsatz von Norbert Eisold
bibliothek forum gestaltung 02
96 Seiten, 66 Abbn., Fadenheftung,
Mauritius Verlag, Magdeburg 2009 11,80 €
