Hegel 33 Fotografien von Dietrich Bahß Magdeburg 1979-1983

10. Sep - 19. Dez

Dietrich Bahß, 1949 in Ballenstedt  geboren, begann sich während der 1970er-Jahre neben seiner beruflichen Tätigkeit mit Fotografie und verschiedenen Fotoprojekten zu beschäftigen. Die Arbeiten, die dann Anfang der 80er-Jahre in Magdeburg entstanden sind, besitzen bis heute einen besonderen Stellenwert. Das betrifft sowohl ihre fotografische Intensität und den hohen dokumentarischen Status, den sie besitzen, als auch die exponierten Umstände, in deren Kraftfeld sie entstanden sind.

Bilder von A. R. Penck in der Hegelstraße 33

Im Oktober1981 hatte das Ehepaar Bahß damit begonnen, auf privater Basis Ausstellungen zeitgenössischer Kunst in ihrer Wohnung in der Magdeburger Hegelstraße 33 zu veranstalten, die von Anfang an von Lesungen und musikalischen oder auch theatralischen Darbietungen begleitet wurden. Die Initiative war von Ingrid Bahß ausgegangen, die durch diese Ausstellungen die Möglichkeit entdeckte, ihre eigenen Gedanken über die künstlerische Arbeit anderer zu kommunizieren. Obschon Ingrid und Dietrich Bahß ihre Aktivitäten in der Hegelstraße, wie Yvonne Fiedler* schrieb, nicht explizit als politisch oder gar oppositionell begriffen, sondern es ihnen um eine „Bereicherung und Ergänzung“ des offiziellen Kunst-Betriebes in der DDR und speziell in Magdeburg ging, gerieten sie bald ins Fadenkreuz des Staatsicherheitsdienstes. Die identifizierte in der Privatgalerie und deren Veranstaltungen bald einen „Konzentrationspunkt politisch negativer Personenkreise“ und reagierte mit Beobachtung und Bemühungen um Zersetzung, die insofern von Erfolg gekrönt waren, als die aufgebaute Drohkulisse die Familie im September 1983 dazu bewog, den ihnen nahegelegten Ausreiseantrag zu stellen, der dann binnen weniger Wochen auch positiv beschieden wurde.

Heiner Müller während seiner Lesung am 3. März 1983 (links: Sascha Anderson)

Die Ausstellung, die zirka 80 Schwarzweiß-Fotografien umfasst, zentriert sich um die Ausstellungen und Veranstaltungen in der Hegelstraße 33. Die bekannteste davon ist ohne Zweifel die Lesung Heiner Müllers gewesen, der am 3. März 1983 vor ungefähr 130 Zuhörern las, unter ihnen Sascha Anderson, einer der eifrigsten Zuträger für die Stasi aus dem oppositionellen intellektuellen Milieu Ostberlins. Kommentierend zu den Aufnahmen aus der Hegelstraße stehen die Bilder von Magdeburger Künstlern, mit denen die Familie befreundet war. Daneben zeigt die Ausstellung Fotos vom Hasselbachplatz, aus dem Alltag der Magdeburger, Szenen aus dem Café Liliput, aus der „sozialistischen“ Produktion und der zwischen Ost und West pendelnden Jugendkultur im Magdeburg dieser Jahre. Eine Serie unter dem Titel „Rainer zieht in den Krieg“ begleitet einen jungen Mann am Vorabend und am Tag seiner Einberufung in die Nationale Volksarmee.

* Yvonne Fiedler, Kunst im Korridor: Private Galerien in der DDR zwischen Autonomie und Illegalität, Berlin 2013

Öffnungszeiten

Ausstellungen: Mittwoch bis Sonntag, 14 bis 18 Uhr

Für Interessierte und Gruppen sind auch außerhalb dieser Zeiten Besuche vereinbar.

Büro: Montag bis Freitag, 14 bis 18 Uhr

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