Filme und Ausstellung: Freiheit und Zensur Filmschaffen in der DDR zwischen Anpassung und Opposition

6. bis 27. Februar 2012, montags und mittwochs jeweils 20.00 Uhr

Eine Ausstellung zu Film- und Zeitgeschichte der DDR 1946-1990

In Kooperation mit der BStU, Außenstelle Magdeburg

Die Mauer – 2011 wäre das größte Monument deutscher Teilung 50 Jahre alt geworden. Aus diesem Anlass hat das Wilhelm Fraenger-Institut im Auftrag der „Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur“ eine Plakatausstellung zum Thema „Freiheit und Zensur – Filmschaffen in der DDR zwischen Anpassung oder Opposition“ konzipiert.

Anhand ausgewählter DEFA-Filme aus der staatlichen DDR-Filmproduktion werden jüngere deutsche Geschichte (1946-1990) und die Einflussnahme der DDR-Politik auf Film, Kultur und Gesellschaft dargestellt. Neben den Filminhalten wird die Zeitgeschichte betrachtet und ein politischer Kontext hergestellt. Für die unterhaltende Komponente wurde die fiktive Figur des „Film-Atze“ geschaffen, für dessen Kommentare der bekannte Satiriker Peter Ensikat verantwortlich zeichnet. Er dient als Bindeglied zwischen Filmerzählung, Zeitgeschichte und persönlichem Erleben und transportiert die Befindlichkeiten der Menschen einer bestimmten Epoche. Auf diese Weise entstand eine Ausstellung, in der Filme den Ausgangspunkt bilden, um historische Fakten und Hintergründe einmal anders zu vermitteln. Die Ausstellung und die ausgewählten Filme sind in relativ kurzer Abfolge im Forum Gestaltung zu sehen, um eine komparative Rezeption zu ermöglichen:

Die Mörder sind unter uns

SBZ 1946, Regie: Wolfgang Staudte     6. Februar 2012, 20.00 Uhr

Berlin – Ecke Schönhauser

DDR 1957, Regie: Gerhard Klein            8. Februar 2012, 20.00 Uhr

Fünf Patronenhülsen

DDR 1960, Regie: Frank Beyer               13. Februar 2012, 20.00 Uhr

Spur der Steine

DDR 1966/1990, Regie: Frank Beyer     15. Februar 2012, 20.00 Uhr

Ich war neunzehn

DDR 1967/1968, Regie: Konrad Wolf    20. Februar 2012, 20.00 Uhr

Einer trage des Anderen Last

DDR 1987, Regie: Lothar Warnecke      22. Februar 2012, 20.00 Uhr

Die Architekten

DDR 1990, Regie: Peter Kahane              27. Februar 2012, 20.00 Uhr

Montag, 6. Februar 2012, 20.00 Uhr

Die Mörder sind unter uns

SBZ 1946, Regie: Wolfgang Staudte

Mit Wilhelm Borchert, Hildegard Knef, Erna Sellmer u.a.

Berlin Mai 1945: In der Trümmerlandschaft begegnen sich zwei Menschen, beide vom Krieg gezeichnet, beide mit ganz unterschiedlichem Blick auf Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft. Während sich der aus der Gefangenschaft heimgekehrte Chirurg Dr. Mertens desillusioniert dem Alkohol hingibt, ist die junge Fotografin Susanne voller Tatendrang. Zwischen den beiden entwickelt sich eine zaghafte Beziehung. Als Mertens auf seinen ehemaligen militärischen Vorgesetzten trifft, holen ihn die Erinnerungen ein. Der skrupellose Hauptmann hat die Ermordung von Zivilisten zu verantworten – nun will ihn der Arzt zur Rechenschaft ziehen. Im letzten Moment kann ihn Susanne vom Akt der Selbstjustiz abhalten.

Der erste Spielfilm der DEFA – ein Welterfolg.

Mittwoch, 8. Februar 2012, 20.00 Uhr

Berlin – Ecke Schönhauser

DDR 1957, Regie: Gerhard Klein

Mit Ekkehard Schall, Ilse Pagé, Harry Engel u.a.

Gruppenporträt einer Handvoll „Halbstarker“, die sich tagtäglich unter der Hochbahnbrücke an der Schönhauser Allee treffen. Jeder der Jungen hat andere Gründe, um der drückenden Enge seines Elternhauses zu entfliehen. Halb aus Protest, halb aus Langeweile begehren sie gegen die Regeln des Zusammenlebens auf. Sie hören Musik, streiten sich mit Passanten, begehen kleine Delikte. Als Dieter und „Kohle“ – zwei der Jugendlichen – wegen vermeintlichen Totschlags in den Westen fliehen, werden sie in einem Heim interniert. Dort kommt „Kohle“ ums Leben. Dieter kehrt geläutert nach Ost-Berlin zurück und verspricht, nun ein verantwortungsvolles Leben zu führen. Seine Freundin erwartet ein Kind von ihm.

Montag, 13. Februar 2012, 20.00 Uhr

Fünf Patronenhülsen

DDR 1960, Regie: Frank Beyer

Mit Armin Mueller-Stahl, Manfred Krug, Erwin Geschonneck, Ulrich Thein, Edwin Marian, Ernst-Georg Schwill u.a.

Eine Gruppe von Mitgliedern der „Internationalen Brigaden“ versucht, sich während des Spanischen Bürgerkrieges gegen das Franco-Regime durch die feindlichen Linien zu schlagen. Ihr schwer verwundeter Kommandant übergibt ihnen vor seinem Tod eine wichtige Botschaft, die – versteckt in leeren Patronenhülsen – zum Ziel durchgeschleust und erst dort zusammengesetzt werden soll. Auf ihrem Weg durch die Sierra werden die Kämpfer mit Hunger, Durst und gegnerischen Attacken konfrontiert. Einer von ihnen wird erschossen. Als sie völlig entkräftet endlich die rettende Frontlinie erreichen und die einzelnen Satzfragmente aneinander fügen, lesen sie die letzten Worte ihres Kommandeurs: „Bleibt zusammen, dann werdet ihr überleben!“

Mittwoch, 15. Februar 2012, 20.00 Uhr

Spur der Steine

DDR 1966/1990, Regie: Frank Beyer

Mit Manfred Krug, Krystyna Stypułkowska, Eberhard Esche u.a.

In Schkona, einer „sozialistischen Großbaustelle“ irgendwo in Mitteldeutschland, prallen unterschiedlichste Charaktere und Positionen aufeinander. Es herrscht fast ein wenig Goldgräberstimmung: Die einen hoffen lediglich auf schnelles Geld, andere sehen sich als Avantgarde der Arbeiterklasse – die ja in der DDR die herrschende Klasse sein soll. Horrath kommt als neuer Parteisekretär nach Schkona, findet sich zunächst nicht zurecht. Doch dann entwickelt er mit dem Brigadier Balla und der Technologin Kati unkonventionelle Methoden, die zu höherer Effizienz führen. Da beide Männer in die junge Frau verliebt sind, kommt es bald zu Konflikten, die sich auch auf den Arbeitsalltag erstrecken.

Montag, 20. Februar 2012, 20.00 Uhr

Ich war neunzehn

DDR 1967/1968, Regie: Konrad Wolf

Mit Jaecki Schwarz, Vasilil Liwanow, Alexej Ejboshenko, Rolf Hoppe u.a.

Als Achtjähriger war Gregor Hecker einst mit seinen Eltern aus Deutschland in die Sowjetunion geflohen, Anfang 1945 kehrt er als Leutnant der Roten Armee in seine Heimat zurück. Sein Weg führt ihn von der Oder bis nach Berlin. In der vordersten Frontlinie versucht er von seinem Lautsprecherwagen aus, deutsche Soldaten zur Kapitulation zu bewegen, selten mit Erfolg. Was er bei Zufallsbegegnungen mit Zivilisten und Armeeangehörigen erlebt, macht ihn zunehmend ratlos. Seine Heimat ist ihm fremd geworden. Das Kriegsende löst in ihm zwiespältige Gefühle zwischen Verzweiflung und vorsichtiger Hoffnung aus. Er begreift, wie schwer es sein wird, in diesem Land einen Neuanfang zu wagen.

Mittwoch, 22. Februar 2012, 20.00 Uhr

Einer trage des Anderen Last

DDR 1987, Regie: Lothar Warnecke

Mit Jörg Pose, Manfred Möck, Karin Gregorek u.a

Anfang der 1950er Jahre: In einer Lungenheil-Anstalt in der DDR müssen zwei ungleiche Patienten ihr Krankenzimmer miteinander teilen. Der junge Volkspolizist Hubertus Koschenz und der evangelische Vikar Josef Heiliger erscheinen als unversöhnliches Gegensatzpaar. Über dem Bett des einen hängt ein Porträt Stalins, über dem des anderen ein Kruzifix. Nicht nur weil der eine im Kommunistischen Manifest und der andere in der Bibel liest, ist jede Menge Streit vorprogrammiert. Dennoch nähern sich die beiden langsam an, bemerken Gemeinsamkeiten in ihrem Denken. Als es Koschenz immer schlechter geht, überlässt Heiliger diesem seine aus dem Westen stammenden, wirkungsvolleren Medikamente.

Montag, 27. Februar 2012, 20.00 Uhr

Die Architekten

DDR 1990, Regie: Peter Kahane

Mit Kurt Naumann, Rita Feldmeier, Uta Eisold, Jürgen Watzke

Daniel Brenner ist Ende 40 und Architekt. Außer ein paar Bushaltestellen, Trafohäuschen und Kaufhallen konnte er bisher allerdings nichts gestalten. Dann erhält er die Chance seines Lebens: Als Chefarchitekt soll er das Zentrum eines neuen Wohngebiets entwerfen. Da der Forderung, seine Mitarbeiter für das Projekt selbst zu rekrutieren, stattgegeben wird, gibt er sich mit Begeisterung dem Neubeginn hin. Das Team entwickelt ehrgeizige Pläne, will alles anders machen. Schon bald erweist sich jedoch, dass kaum etwas von den kühnen Gedanken umsetzbar sein wird. Zuerst werden kleine Kompromisse gefunden, zuletzt droht das gesamte Unterfangen zu scheitern. Zunehmend verliert Brenner seine Identität.

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Für Interessierte und Gruppen sind auch außerhalb dieser Zeiten Besuche vereinbar.

Büro: Montag bis Freitag, 11 bis 15 Uhr

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