„Ein wahres Elend, der verdammte Krieg“

Sonnabend, 10. Mai 2014, 20.00 Uhr

Magdeburgisieren – die Verwüstung der Stadt im Dreißigjährigen Krieg brachte ein neues Wort hervor, denn die Sprache besaß keines für die Beschreibung all des Leides und der Zerstörung.

Das Forum Gestaltung lädt ein zum Gedenkkonzert anlässlich des Jahrestages der Zerstörung Magdeburgs vor 383 Jahren. Mit Johanna Mohr (Sopran), Warnfried Altmann (Saxophon), Hermann Naehring (Schlagwerk) und dem Neuen Magdeburger Kammerchor unter der Leitung von Christian Hoffmann

Magdeburg 1631: Kein Frühling. Kein Wonnemonat. Keine Hoffnung.
Tillys Soldaten waren unerbittlich.
Der „Dreier“ – eine kleine Münze, häufig gebraucht in Magdeburg des 17. Jahrhunderts, als Trinkgeld für kleine Gefälligkeiten, als Gabe für fleißige Kinder, die Zuckerstücke kaufen dafür beim Krämer nebenan oder beim Messebesuch auf dem Domplatz. Kleine Geldstücke in winzigen Fäusten, feuchtgeschwitzt aus Angst vorm Verlieren klebt das Metall auf der Haut auch nach dem Öffnen der kleinen Hand. Rot die Wangen, leuchtend die Augen in Erwartung der süßen Versuchung …

Ach lasst doch nur den Vater leben,
ich will Euch gern den Dreier geben,
den ich am Sonntag bekomme.

Auch das ein „Tauschangebot“, überliefert aus den Tagen des Sturms auf Magdeburg. Es blieb ein letzter, vergeblicher Versuch des zehnjährigen Sohnes.
Herrgotts Kanzlei: zertrümmert, die feste Burg: gestürmt. Die Menschen: gemordet. Die Leichen: in die Elbe geworfen, die sich trübte und staute – als weigere sie sich, das Leid kurzerhand fortzuspülen.

Der Neue Magdeburger Kammerchor unter Leitung von Christian Hoffmann, Warnfried Altmann am Saxophon, Hermann Naehring am Schlagwerk und die Hamburger Sopranistin Johanna Mohr prägen den Abend, einfühlsam bis expressiv auf das Geschehen vor 383 Jahren eingehend, ohne gegenwärtige Bezüge auszusparen.

„Ein wahres Elend, der verdammte Krieg“ (Aristophanes), das ist der Titel, den das Forum Gestaltung den Gedenkkonzerten gab, mit denen es jährlich wiederkehrend an die zwei unvorstellbaren Zerstörungen von 1631 und 1945 und an das Leid der vielen Opfer erinnert.

Produktionsleitung: Norbert Pohlmann

Mit Unterstützung der Landeshauptstadt Magdeburg

Foto: DIE TRAUERNDE MAGDEBURG. Am Lutherdenkmal in Worms gibt es diese Darstellung der trauernden Magdeburg. Unter der Mauerkrone trägt sie den Witwenschleier und sitzt schmerzerfüllt und sinnend da, ihr Blick auf der zerbrochenen Wehr. Ein Bronzeabguss kam 1931 nach Magdeburg und wurde in der Vorhalle der Johanniskirche aufgestellt. Die Bronze „überlebte“ die Zerstörung der Stadt 1945 und ragte unversehrt aus den Trümmern.

Öffnungszeiten

Ausstellungen: Mittwoch bis Sonntag, 14 bis 18 Uhr
Für Interessierte und Gruppen sind auch außerhalb dieser Zeiten Besuche vereinbar.

Büro: Montag bis Freitag, 14 bis 18 Uhr

Infos, Karten & Publikationen

Forum Gestaltung Magdeburg
Brandenburger Straße 10
Tel: 0391 99 08 76 11
info@forum-gestaltung.de
www.forum-gestaltung.de

Schlagwörter