DOKU-THEATER:
Vertreibung des Bauhauses

Freitag, 18. September 2020, 19.30 Uhr

DIE VERTREIBUNG DES BAUHAUSES AUS DESSAU 1932 UND DER KULTURKAMPF VON RECHTS

Ein dokumentarisches Theaterstück
von Lars Breuer und Bianca Beck

Mit Thomas Zieler als Oberbürgermeister Fritz Hesse und Thomas Hupfer als Rechtsanwalt Dr. Eisenberg

Nachdem die Nationalsozialisten im Freistaat Anhalt und in der Stadt Dessau die Macht erlangt haben, beschließen sie im August 1932 – zusammen mit anderen rechten Kräften – die Schließung des Bauhauses in Dessau. Im März 1933 wird der langjährige Dessauer Oberbürgermeister Fritz Hesse, ein überzeugter Liberaler und Demokrat, zwangspensioniert. Die Nationalsozialisten richten einen Untersuchungsausschuss ein, der Material für eine Strafverfolgung gegen Hesse sammelt.

Das Stück spielt zu einem Zeitpunkt im Frühling 1933, als der Ausgang dieses Verfahrens noch offen ist und in der die Nazis zudem drohen, Hesse in „Schutzhaft“ zu nehmen.

„Vom Dessauer ‚Kultur‘-Institut“,
Anhalter Woche 9. November 1930

„Lebendig sind die Kräfte allerdings, laut sind sie auch. Man braucht nur einmal abends der Negermusik im Bauhaus (einer ‚Hochschule‘!) zu lauschen. Dann hat man von den lebendigen Kräften genug. Wie die Musik, genauso undeutsch ist die ‚Kunst‘ des Bauhauses, sofern man eben die wahre Kunst erniedrigen will und sie mit dem Bauhaus in Verbindung bringt. Reden wir nicht von der Bauhaus-Architektur mit ihrer seelenlosen Technik, die Gemütswerte des deutschen Hauses so völlig entbehrende Wohnzellen schuf. […] Ewig wird in Dessau das Andenken daran bleiben, daß es einmal ausgesprochen werden durfte, daß ein solches Institut ‚eine Propaganda für die Entwicklung der Stadt‘ sein sollte! Daß das der Stadtchef selbst aussprach, ist doppelt tragisch …“

FIGUREN:

FRITZ HESSE,
Jurist aus Dessau, liberaler Politiker, zeitweise Abgeordneter der Deutschen Demokratischen Partei (DDP) im Anhaltischen Landtag, von 1918 – 1933 Oberbürgermeister der Stadt Dessau.

WERNER EISENBERG,
Rechtsanwalt aus Roßlau, nationalliberaler Politiker und zweitweise Abgeordneter der Deutschen Volkspartei (DVP) im Anhaltischen Landtag. 1927 kandidierte Eisenberg erfolglos gegen Hesse um das Bügermeisteramt in Dessau.


prolog

erster akt: was dürfen visionen kosten?

zweiter Akt: konsens und dissens

dritter akt: ambivalenz der moderne

vierter akt: vermittlungsprobleme der moderne

fünfter akt: zurückweichen vor der rechten

epilog


 

NACH 1933

Der Untersuchungsausschuss verlief im Sande, die strafrechtlichen Ermittlungen gegen Hesse wurden nach kurzer Zeit eingestellt. 1935 kam lediglich ein Disziplinarverfahren zustande. Die Nationalsozialisten wollten Hesse seinen Titel (Oberbürgermeister a. D.) aberkennen – scheiterten jedoch auch damit – lediglich Hesses Pensionsbezüge wurden gekürzt. Während der NS-Zeit lebte Hesse zunächst in Berlin und später in Wandlitz. Im April 1945 war er für kurze Zeit Bürgermeister von Wandlitz. Er kehrte nach Dessau zurück, wo ihn die sowjetische Militäradministration am 2. Juli 1945 erneut zum Oberbürgermeister ernannte. Hesse gehörte zu den mitbegründern der liberal-Demokratischen Partei Deutschlands (LDPD). Aufgrund des zunehmenden politischen Drucks trat Hesse 1946 zurück und arbeitete als Rechtsanwalt. Als ihm auch dies immer schwerer möglich war, floh er 1950 über West-Berlin in die BRD. 1956 wurde Hesse mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet, in den frühen 1960er Jahren verfasste er seine Erinnerungen. Fritz Hesse starb 1973 im Alter von 92 Jahren in Bad Neuenahr.

Über das Leben von Dr. Werner Eisenberg nach 1933 ist uns trotz intensiver Recherchen leider nichts bekannt.

Historísche Recherche und Dramaturgie:

Dr. Lars Breuer, Sozialwissenschaftler (Berlin)
Bianca Beck, Kulturwissenschaftlerin (Berlin/Hannover)

Einlass: 18.30 Uhr**

Beginn: 19.30 Uhr

Eintritt: 7,50 €/5 € ermäßigt

(aufgrund der aktuellen Situation ist die Anzahl der Plätze stark reduziert)


ROSA LUXEMBURG STIFTUNG, 10 Jahre Peter-Weiss-Haus, Hanse- und Universitätsstadt Rostock

Aktueller Stand: Die Veranstaltung findet unter Einhaltung der bekannten Hygiene-Vorschriften statt. Bitte verhalten auch Sie sich und anderen gegenüber verantwortungsvoll. Die Zuschauerzahl ist sehr begrenzt, um bei Wahrung der Abstandsregeln im Zuschauerraum während der Veranstaltung keinen Mund-Nasen-Schutz tragen zu müssen. Für Ein- und Auslass und weitere Gänge ist dessen Anlegen aber geboten.

 

** Wir bitten alle Gäste einen persönlichen Mund- und Nasenschutz mitzuführen. Im Einlassbereich kann es zu erhöhten Wartezeiten kommen!

Zu Ihrem Schutz müssen wir gemäß der Siebenten SARS-CoV-2-Eindämmungsverordnung des Landes Sachsen-Anhalt vom 30. Juni 2020 Ihren Namen und Ihre Kontaktdaten erfassen. Zur Nachverfolgung von Infektionsketten werden diese dem Gesundheitsamt auf Anforderung mitgeteilt. Ihre Daten werden vor Ort erfasst und spätestens zwei Monate nach Ihrem Besuch von uns vernichtet.

Wir bitten um Verständnis und freuen uns auf Sie!

Ihr Team des Forum Gestaltung

Öffnungszeiten

Ausstellungen: Mittwoch bis Sonntag, 14 bis 18 Uhr
Für Interessierte und Gruppen sind auch außerhalb dieser Zeiten Besuche vereinbar.

Büro: Montag bis Freitag, 11 bis 15 Uhr

Infos, Karten & Publikationen

Forum Gestaltung Magdeburg
Brandenburger Straße 10
Tel: 0391 99 08 76 11
info@forum-gestaltung.de
www.forum-gestaltung.de

Schlagwörter